Nach dem Kurs
Der Kurs ist vorbei.Jetzt kommt der Alltag
Ihr Kind hat im Kurs geübt, sich nicht ärgern zu lassen. Sich umdrehen und weggehen, statt zurückzuschimpfen. Und klar sagen, was es will, wenn das nötig ist.
Sie kennen den Satz: Übung macht den Meister. Genau darum geht es jetzt. Im Kurs hat Ihr Kind es ausprobiert. Zur Gewohnheit wird es erst im Alltag. Hier steht, worauf es dabei ankommt.
Üben heißt wiederholen
Der Kurs gibt Ihrem Kind Werkzeug in die Hand. Ihr Kind weiß jetzt, wie es geht.
Es im richtigen Moment auch zu tun, ist der nächste Schritt. Dafür braucht es Gelegenheiten. Die gibt es jeden Tag: zu Hause, auf dem Spielplatz, nachmittags draußen.
Fragen Sie dabei nach dem Gefühl, nicht nach der Technik. Also nicht „warum hast du dich nicht wie ein Löwe verhalten?“, sondern „wie ging es dir dabei?“.
Erzählen Sie ruhig, wann Sie selbst einmal nicht ruhig geblieben sind. Davon lernen Kinder mehr als von jedem guten Rat.
Was Ihr Kind geübt hat
Damit Sie mitreden können, wenn zu Hause davon die Rede ist:
- 1Mücke, Schaf und Löwe. Die Mücke ärgert und nervt, weil sie Aufmerksamkeit will. Das Schaf schimpft zurück. Genau das macht der Mücke Spaß, also hört sie nicht auf. Der Löwe bleibt ruhig und geht weg. Nicht aus Schwäche, sondern weil er es nicht nötig hat. Ich bleibe ruhig und entspannt, denn in der Ruhe liegt die Kraft.
- 2Nicht jede Meinung ist wichtig. Wer Ihr Kind ärgern will, meint es nicht gut. Sagt so jemand „du bist doof“, darf Ihr Kind trotzdem denken: „Ich finde mich aber richtig.“ Bei Menschen, die es gut meinen, ist das anders. Ihre Meinung zählt sehr wohl, und die der Lehrkräfte und der besten Freunde auch.
- 3Klar sagen, was ich will. Kurze Sätze wirken: „Gib mir den Stift zurück.“ Lange Erklärungen bringen nichts. Beim ersten Mal hört fast nie jemand zu, deshalb sagt Ihr Kind den Satz bis zu dreimal. Erst wenn das nicht reicht, ruft es laut Stopp.
- 4Aufrecht stehen, deutlich sprechen. Wer mutig wirkt, wird seltener geärgert. Deshalb haben wir das geübt: gerade stehen, normal laut sprechen. Nicht flüstern und nicht schreien.
- 5Jedes Gefühl ist richtig, aber nicht jede Handlung. Wütend sein darf Ihr Kind. Treten nicht. Wir haben auch über den Unterschied gesprochen: Angst warnt vor echter Gefahr. Unsicherheit kann man überwinden.
Zwei Dinge, die mehr helfen als jede Übung
Energie
Ein müdes, hungriges, überreiztes Kind hat keine Kraft für Grenzen. Schlaf, Essen, Bewegung draußen. Und möglichst wenig Streit über Dinge, die den Streit nicht wert sind. Das klingt einfach und ist der größte Hebel, den Sie haben.
Ein sicherer Ort
Ihr Kind muss abends ankommen können, ohne sich zu erklären. In die Augen schauen, fragen, was heute schön war, in den Arm nehmen, wenn es das mag. Wer sich zu Hause sicher fühlt, traut sich draußen mehr.
Wenn mehr dahintersteckt
Manchmal reicht ein Kurs in der Gruppe nicht. Wenn Ihr Kind über Wochen nicht zur Ruhe kommt, nicht mehr in die Schule oder die Kita will, schlecht schläft oder sich zurückzieht, dann geht es um mehr als um Technik.
Sprechen Sie in dem Fall zuerst mit der Einrichtung. Die Erzieherinnen und Lehrkräfte sehen Ihr Kind jeden Tag in der Gruppe und bemerken oft mehr, als zu Hause ankommt.
Und wenn Sie jemanden brauchen, der in Ruhe mit Ihrem Kind allein arbeitet: In meiner Praxis in Lüdenscheid bin ich Heilpraktiker für Psychotherapie und begleite Kinder und Jugendliche einzeln. Was in einer Gruppe nicht geht, geht dort.
Anlaufstellen, unabhängig von mir
- Nummer gegen Kummer: 116 111 Kostenlos und anonym für Kinder und Jugendliche. Für Eltern gibt es unter 0800 111 0 550 eine eigene Nummer.
- schulpsychologie.nrw.de Die schulpsychologischen Dienste der Kreise, kostenlos.
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